Kolonist in Neurhede
Da mein Ur Ur Uropa Gerhard als 3. geborener nur als Heuermann auf dem Hof seiner Eltern verbleiben konnte zog es ihn in die Ferne nach Rhede Ems. Dort war 1788 die Moorkolonie Neurhede gegründet worden. Er kultivierte dort in Neurhede ein Stück Land und gründete einen eigenen Hof.

Torf als Lebensgrundlage und Brennstoff
Das Emsland war geprägt von Hoch- und Niedermooren. Landwirtschaft war daher im großen Stil nicht möglich. Das Emsland galt damals als das „Armenhaus“ Deutschlands.
Die Geschichte des Torfabbaus reicht bis ins Mittelalter zurück, als die ersten Siedler die Moore als wertvolle Ressourcen entdeckten. Im 17. Jahrhundert begann die systematische Erschließung dieser Gebiete, insbesondere durch die Fehnkolonisation, bei der die Moore entwässert und für die landwirtschaftliche Nutzung und den Torfabbau vorbereitet wurden. Die Städte Meppen und Papenburg wurden zu zentralen Orten für den Torfhandel, wobei Papenburg die älteste und längste Fehnkolonie Deutschlands ist.
Traditioneller Torfabbau
Traditionell wurde der Torfabbau durch mühsame Handarbeit durchgeführt. Zunächst wurden die Moore durch das Anlegen von Kanälen und Gräben entwässert, um den Abbau zu ermöglichen. Anschließend wurde der Torf mit speziellen Werkzeugen, sogenannten Torfspaten, in Ziegel geschnitten und zum Trocknen ausgelegt. Diese Torfziegel wurden dann auf Karren geladen und zu den Märkten gebracht, wo sie als wichtiger Brennstoff verkauft wurden. Bis ins 20. Jahrhundert nutzten die Bewohner im Emsland den Schwarztorf wegen seines hohen Kohlenstoffgehaltes als Brennmaterial zum Heizen, Kochen und Backen in der relativ holzarmen Region. Teilweise wurde das Moor oberflächlich entwässert und die obere Vegetationsschicht im Frühjahr abgebrannt. Die so entstehende Asche diente als Dünger für den Buchweizenanbau. Diese „Moorbrandkultur“ lieferte jedoch nur geringe Erträge – Hungersnöte waren die Folge.
Die Moorsiedler/Kolonisten führten ein sehr hartes und entbehrungsreiches Leben. Sie wohnten lange in primitiven Plaggenhütten. Ihr Schicksal fasst ein bekanntes Sprichwort zusammen: „Der ersten Generation der Tod, der zweiten die Not und der dritten das Brot!“

